Stadtgeschichte

„Geschichte kann Heimat sein“ (Richard von Weizsäcker)

Die Geschichte Schwarzenbachs ist ein Teil unserer kulturellen Identität. Spuren der Geschichte zu erkennen und historische Entwicklungen zu dokumentieren ist ein Ziel, welches sich in verschiedensten Projekten realisieren lässt.

Leitung: Dieter Seuß

KALENDER 2020

Ansichtssachen Schwarzenbach an der Saale
gestern & heute
Teil 2 

Ansichtssachen | Schwarzenbach an der Saale | gestern & heute
Der Kalender des Kulturvereins mit historischen Bildern für das Jahr 2019 hat so großen Anklang gefunden, dass sich die Vorstandschaft ent- schlossen hat, für das Jahr 2020 einen Kalender in ähnlicher Form herauszugeben.
Dieser Kalender stellt auf 12 Blättern Altes dem Gegenwärtigen gegenüber. Dabei wurden Negativbeispiele ausgeklammert, bei denen leider an der Stelle von einst ansehnlichen Bauwerken nur Baulücken, Garagen oder Parkplätze zurückgeblieben sind. Wenn dieser Kalender dazu beitragen kann, nicht nur Erinnerungen, sondern auch Interesse am Erhalt und einer positiven Weiterentwicklung unseres Stadtbildes zu wecken, hat er seinen Zweck erfüllt. Die Mehrzahl der historischen Bilder stammt aus dem Bilderfundus des Schul- und Heimatmuseums. Dazu gesellen sich Aufnahmen von Paul Rubner und aktuelle Fotos von Dieter Seuß, der auch die Zusammenstellung des Materials und die Texte besorgt hat.
Januar | Rettungshaus Marienberg
Vorläufer der heutigen Jugendhilfeeinrichtung Marienberg war das sog. Schneidersche Garten- haus, ein landwirtschaftliches Anwesen, dessen kinderlose Besitzer einigen Waisenkindern ein neues Zuhause gegeben hatten. 1853 wurde das Gebäude samt Grundstücken durch Beiträge der Patronatsherrschaft angekauft und zum „Ret- tungshaus Marienberg“ umgebaut. Träger war die Stiftung Marienberg, die noch heute existiert. 1913 erfolgte der Neubau eines schönen Ju- gendstilgebäudes. Durch die angegliederte Land- wirtschaft wurden die für den Unterhalt erforderlichen Mittel weitgehend selbst erwirt- schaftet. Leider wurde das repräsentative Ge- bäude im Zug des Neubaus einer Sonderschule für Lernbehinderte mit Heim 1968 abgerissen. Die Heim-Sonderschule wurde am Ende des 20. Jhd. aufgelöst. Die Gebäude, ergänzt durch einen Neubau zur Förbauer Straße hin, beherbergen heute verschiedene Einrichtungen der Jugend- hilfe.
Februar | Holzgartenstraße
Die Straße bekam diesen Namen, weil sich früher dort Teiche befanden, in denen die hölzernen Röhren für die Wasserleitung gelagert wurden. Nachdem 1893 die zentrale Hochdruckwasserlei- tung gebaut worden war, hatten die Lagerteiche ausgedient. Entlang der Holzgartenstraße ent- standen Scheunen, vornehmlich für die Schwar- zenbacher Ackerbürger (oberes Bild). Mit dem dahinter liegenden stillgelegten Granitwerk Kün- zel und Schedler fielen auch die Scheunen. Neben einigen Wohnblöcken mit Eigentumswohnungen entstanden dort schmucke Eigenheime (unten rechts). Etwas weiter östlich stand das sog. Ge- meindehaus (unten links), in das die Stadt Be- wohner einquartierte, die nur wenig Miete zahlen konnten.
März | Der Marktplatz
Der Platz wird beherrscht vom ehemaligen Rat- haus, das im 18. Jhd. errichtet und im 19. Jhd. aufgestockt wurde. Es diente der Stadtverwal- tung bis 1921. Dann erwarb man das ehemalige Bahnhofshotel am Bahnübergang und verwen- dete dieses als Rathaus, bis 1981 der Umbau des Schlosses zum Rathaus vollendet wurde. Das Alte Rathaus beherbergt heute die städtische Kunst- galerie, die Malschule und Räume des Kulturver- eins.
April | Hellersinsel
Die Hellersinsel entstand um 1800 durch den Bau des Mühlgrabens der Angermühle. Ihren Namen verdankt sie dem Gerbermeister Karl Hel- ler, der darauf eine Gerberei und ein stattliches Wohnhaus errichtete. Eine grundlegende Umge- staltung erfuhr die Hellersinsel am Beginn des 21. Jahrhunderts: Die baufälligen Gebäude samt Brücke wurden abgerissen. Im Rahmen der Maß- nahmen zur Hochwasserfreilegung entstand eine öffentliche Grünfläche.
Mai | Blick vom Kirchturm
Das obere Bild wurde 1915 aufgenommen und zeigt den Blick aus der Glockenstube nach Süden. Am Horizont erkennt man die Silhouette des Kornbergs, davor von links nach rechts die ersten Häuser der Baugenossenschaft und das 1911 fer- tiggestellte Zentralschulhaus, das damals am Ortsrand stand. Die Porzellanfabrik Oskar Schal- ler und das 1909 erbaute Fabrikgebäude der Spinnerei und Weberei AG schließen sich an. Am rechten Saaleufer sieht man das noch einstöckige Scherdels-Haus und die Summa-Villa ohne Anbau und im Vordergrund links die Färberei Köppel mit dem zugehörigen Wohnhaus. Unteres Bild von 2019: Gegenüber der Aufnahme von 1915 fällt das viele Grün in der Stadt auf. Die Gebäude zeigen sich weitgehend in einem ge-
pflegten Zustand. Im Gegensatz zu früher kann man heute bis in den Rathaushof hinüberblik- ken, da die ehemalige Färberei Köppel abgebro- chen wurde.
Juni | Maschinenfabrik Fickert / Netto-Markt
Im Jahr 1925 errichtete Carl Fickert an der Loh- bachstraße ein großzügiges Fabrikgebäude. Her- gestellt wurden hauptsächlich Maschinen für die Natursteinbearbeitung. In den 80-er Jahren wurde die Maschinenfabrik von der finnischen Firma Macron übernommen, die den Betrieb aber nur kurze Zeit weiterführte. Nach langem Leer- stand und zunehmendem Verfall wurde das Ge- bäude 2012 abgerissen, um einem Netto-Markt Platz zu machen.
Juli | Sophienstift / ehemaliges Krankenhaus
Fürst Otto Viktor von Schönburg-Waldenburg gründete 1846 eine mit 30.000 Gulden dotierte Stiftung zur Errichtung und zum Betrieb einer Krankenheil- und Unterstützungsanstalt, der er den Namen „Sophienstift“ gab. Das Haus um- fasste zuerst 16 Betten, die je zur Hälfte mit un- terstützungsbedürftigen Schwarzenbachern und Patienten „mit heilbaren Krankheiten“ zu bele- gen waren. Der erste Stiftsarzt war Dr. Seidel. Im Jahr 1900 wurde das Haus auf Betreiben von Dr. August Wild auf 28 Betten erweitert. Später kamen noch weitere An- und Umbauten hinzu. Nach dem 2. Weltkrieg war Dr. Kurt Eyermann Chefarzt. Er war im weiten Umkreis bekannt für seine besondere Operationstechnik bei Schild- drüsenleiden (Kropf). In der Folge bekam das Haus immer mehr Konkurrenz durch die neue- ren und moderneren Krankenhäuser im Land- kreis und in der Stadt Hof. Auch wurden die Kosten für die Stadt Schwarzenbach eine zu große Last, so dass nur die Schließung blieb. 1978 wurde es dem Roten Kreuz zur Nutzung überlassen. Da dieses nur einen Teil der Räume benötigte, diente das übrige Gebäude u. a. als ärztliches Zentrallabor, Wohnheim für Werkstu- denten und Übergangswohnheim für Aussiedler. 2002 erhielt das Rote Kreuz ein neues Kolon- nenheim am Schützenhaus. Das ehemalige Kran- kenhaus stand einige Jahre leer und wurde dann abgerissen. Heute befindet sich dort eine Park- fläche für Bedienstete des Hauses Saalepark. Das Granitgewände des Haupteinganges des So- phienstift steht jetzt auf der Verkehrsinsel des Kreisverkehrs an der Frankenstraße.
August | Saalepartie
Die Saale prägt bis heute entscheidend das Bild der Altstadt. Früher war sie aber darüber hinaus eine bedeutende Lebensader für die Wirtschaft in unserer Stadt. An ihren Ufern ließen sich zahl- reiche Färbereien und Gerbereien nieder. Ihr Wasser trieb zwei Mühlen (Angermühle und Steg- mühle) und diente den Anwohnern zum „Fleien“ (Ausspülen) der Wäsche, die vorher auf den Saa- lewiesen zum Bleichen ausgelegt worden war. Die zunehmende Verschmutzung durch Abwässer machte die Saale ab den 50-er Jahren zu einem biologisch toten und übelriechenden Gewässer. Erst mit dem Bau des Saale-Hauptsammlers An- fang der 70-er Jahre wurde der Fluss wieder sau- ber und hat heute eine hohe Gewässergüte.
September | Gaswerk / Stadtwerke
Im Jahr 1904 wurde das städtische Gaswerk ge- baut. Im Jahr 1908 erhellten immerhin schon 95 Gaslaternen die Straßen und Plätze unserer Stadt. Wenige Jahre später baute man eine Gas- Fernleitung in die Stadt Münchberg, durch die auch Stobersreuth, Seulbitz und Weißdorf mit Gas versorgt wurden. Zur Jahreswende 1963/64 wurde die eigene Gaserzeugung eingestellt und stattdessen Ferngas aus dem Ruhrgebiet bezo- gen. 1971 erfolgte die Umstellung des Gasnetzes auf Erdgas. Die beiden Gasometer wurden ver- schrottet. Heute findet man auf dem Gelände
des Gaswerks noch das Verwaltungsgebäude, das ehemalige zu Werkstätten umfunktionierte Ofen- haus, Lagerräume und eine Regelstation.
Oktober | Bahnhofstr. 12 / Erika-Fuchs-Haus
Wo heute das „Erika-Fuchs-Haus“ steht, befand sich bis 2012 das im Volksmund so bezeichnete „Braune Haus“. Ursprünglich war es ein land- wirtschaftliches Anwesen. Aus einem Ortsblatt von 1852 geht hervor, dass das Hauptgebäude zunächst mit der Giebelseite zur Straße zeigte. Im Rahmen einer völligen Neugestaltung der rechten Seite der Bahnhofstraße im 2. Drittel des 19. Jhd. wurde das Haus nach Norden hin er- weitert, eine neue Fassade vorgesetzt, die Durch- fahrt überbaut und mit einem Torbogen versehen. Im 3. Reich wurde das Haus zur Par- teizentrale der NSDAP umfunktioniert und „Hans- Schemm- Haus“ getauft. Nach dem 2. Weltkrieg beherbergte es außer Wohnungen u. a. ein Gewerkschaftsbüro, eine Schusterwerkstatt, eine Zahnarztpraxis im Hintergebäude, einen Fachraum des Städtischen Progymnasiums und ein Gerätelager des Bundesverbandes für den Zi- vilschutz. Zunehmend genügte das Gebäude nicht mehr den gestiegenen Ansprüchen an Wohn- und Gewerberaum, stand leer und ver- fiel.2012 wurde es schließlich abgebrochen. An seiner Stelle entstand das „Erika- Fuchs- Haus, Museum für Comic und Sprachkunst“, das 2015 eingeweiht wurde.
November| Hertelsleite / Altenheim
Die Hertelsleite, seit 1996 „Ökopark Hertels- leite“, wurde vor rund 120 Jahren auf Initiative von Kommerzienrat Hans Summa angelegt. Die beiden oberen Bilder zeigen einen Wiesenhang am Rand des Parks ohne und mit der 1994 er- richteten Brücke für die B 289.
Untere Bilder: Bis 1993 endete die Spitalstraße kurz nach der Aussegnungshalle beim Friedhof. Dann wurde einem lang gehegten Wunsch der Schwarzenbacher Bevölkerung und einem Kreis engagierter Bürger entsprechend das Alten- und Pflegeheim „Haus Saalepark“ gebaut und im Ok- tober 1994 eingeweiht. Betreiber ist die Diako- nie Hochfranken. Die Spitalstraße wurde weiter ausgebaut und an die Hofer Straße angebunden. Dezember
Dezember | Kirchturm von St.- Gumbertus
Das Bild des Kirchturms hat sich in den vergan- genen 3 Jahrhunderten mehrmals gewandelt. Nach dem großen Brand von 1689 wurde er mit einer Zwiebelhaube neu aufgebaut und 1810 durch den Stadtbrand samt Kirche erneut zer- stört. 1812 wurde die Kirche größer als vorher wieder errichtet. Bis um 1837 blieb der Turm un- vollendet. Dann wurde eine pyramidenförmige Haube aufgesetzt, die recht plump wirkte. So ent- schloss man sich 1889, den Turm erneut umzu- gestalten und gab ihm das heutige Aussehen.